Zensur in den deutschen Medien? Ein Kommentar.

Vor einiger Zeit wurde auf dem Kanal KenFM eine Dokumentation mit dem Titel „Zensur“ veröffentlicht. Als Nachfolgerin des ebenfalls auf KenFM veröffentlichten Beitrags „Die dunkle Seite der Wikipedia“ behandelt diese die Verbindungen zwischen Wikipedia und diversen anderen digitalen Akteuren. Die zentrale These dabei: Es gibt im Internet eine derart starke Verbindung zwischen verschieden Akteuren, die sich gegenseitig bekräftigen und andere Stimmen mundtot machen, dass man in diesem Kontext von Zensur sprechen muss. Wir wollen uns im Weiteren drei gravierenden Fehlern in „Zensur“ widmen.

1. Psiram und die Medien

Die Macher der Dokumentation stoßen bei ihrer Recherche auf verschiedene Zeitungsartikel, die einen Auftritt von Daniele Ganser thematisieren: die Artikel verschiedener Medienhäuser haben eine negative Einstellung zu Ganser und hinterfragen dessen Auftreten. Verwiesen wird dabei vor allem auf verschiedene Kooperationen Gansers, unter anderem mit Jürgen Elsässer und dessen Compact Magazin, RT Deutsch, KenFM und der AZK 2014 (Anti-Zensur Konferenz).

Im nächsten Schritt werden bestimmte seperierte Begriffe, die in den Artikeln gefallen sind, in die Suchmaschine Google eingegeben. Die Suchanfrage lautet: „daniele ganser azk russia today hoffmann compact elsässer kenfm“. Das erste Ergebnis ist der Psirameintrag zu Daniele Ganser. Die Stimme aus dem Off folgert: „Diese Seite wird demnach sehr wahrscheinlich vom Freisinger Tageblatt, von der Süddeutschen Zeitung und von der Münchner Abendzeitung als Quelle genutzt“.

Ich verstehe gar nicht, wie sich Herr Fiedler das vorstellt. Heißt das, die Schreiber der Artikel haben auch nach genau dieser Suchanfrage gesucht? Dann müssten sie vorher aber schon gewusst haben, dass Ganser mit diversen anderen als fragwürdig empfundenen Portalen kooperiert, sodass der Psiramartikel nicht zur Recherche beiträgt und somit auch keine Quelle darstellt.

Was für ein riesen blödsinn. Nur weil Google ein bestimmtes Ergebnis liefer, wenn man willkürlich aus Zeitungsartikeln ausgewählte Schlagworte als Suchanfrage eingibt, heißt das nicht, dass es irgendeine Verbindung zwischen den Artikeln und den Suchergebnissen gibt. Selbst bei einer oberflächlichen Internetrecherche kann man mit Leichtigkeit herausfinden, dass Ganser besagten Dialog mit Karl-Heinz Hoffman führte und, dass er mit RT Deutsch, Compact (geleitet von Jürgen Elsässer) und KenFM kooperiert. Auch ein Vortrag Gansers bei der AZK 2014 lässt sich leicht auf YouTube finden. Dass sich in verschiedenen Artikeln auf diese Dinge bezogen wird, legt keineswegs nahe, dass die Autoren besagter Artikel ihre Informationen von Psiram erhielten oder „gebrieft“ wurden, wie Fiedler es nahelegt. Es gibt also keine hinreichenden Anzeichen, dass irgendein Zusammenhang zwischen den genannten Medienhäusern und Psiram besteht.

 2. Harald Walach – Ein Experte für alles

Prof. Dr. Dr. Walach wird als „Opfer“ von Psiram in die Dokumentation eingeführt. Es ist zunächst natürlich legitim, sich diese Stimme anzuhören. Im Verlauf des Beitrags wird Harald Walach allerdings nicht mehr als eingebundenes, daher befangenes Subjekt betrachtet, sondern dient als Experte, auf dessen Aussagen die weiteren Schlüsse der Argumentation aufbauen. Dass Harald Walach ein Problem mit den Skeptikern hat scheint im Angesicht seines Beschäftigungsgebiets der alternativen Medizin nicht sonderlich erstaunlich. Ihn aber im Weiteren als sichere Quelle heranzuziehen, um die Motive der Skeptiker zu erklären und die Glaubwürdigkeit und Problematik des Agierens der Skeptiker zu bewerten, verwickelt den ganzen Beitrag in eine Befangenheit, die das Ergebnis nicht mehr an der Wahrheitsfindung, sondern an der Gegnerschaft zu Psiram ausrichtet.

Auch wird Harald Walach gegen Ende scheinbar zum Sprachwissenschaftler, wenn er analysiert, warum in Wikipedia viele Comicheldennamen verwendet werden. Ich wüsste ja gerne, woher der Herr Walach da seine Kompetenz hat – hat er dazu etwa eine wissenschaftliche Untersuchung verfasst? Forscht er gar zu diesem Thema? Nein? Na sowas.

3. Transparenz und Glaubwürdigkeit

Abschließend noch ein paar Worte über den Kontext, in dem die Dokumentation entstand.

Kopilot meldete sich in Reaktion auf den neuen Beitrag „Zensur“ in der Wikipedia zu Wort. Seinen Aussagen nach hat er sich sogar dafür eingesetzt, den Beitrag von Ganser zu überarbeiten, was tatsächlich geschehen ist, wie die Historie des Wikipediaartikels zeigt. So ist das Wort „Verschwörungstheoretiker“ nicht mehr enthalten und Erkenntnisse Gansers über Gladio wurden eingepflegt. Nach eigenen Aussagen kontaktierte Kopilot von sich aus auch Herrn Fiedler und nannte ihm bereitwillig seinen Klarnamen – anders als in Fiedlers Beiträgen ist das Wissen über die Identität Kopilots also nach Kopilot nicht das Ergebnis Fiedlers genialer investigativer Recherche. Das wird dem werten Zuschauer aber verschwiegen. Stattdessen wird die Enttarnung des vermeintlich inkognito agierenden Kopiloten regelrecht zelebriert. Hier wäre ein Kommentar von Ganser, Fiedler und auch von Ken Jebsen interessant. Wirklich transparent erscheint das nicht.

Herr Ganser tritt vielfach bei KenFM auf, es besteht eine umfangreiche Kooperation. Fragen wir uns doch mal, wie unbefangen eine Recherche sein kann, wenn eine umfangreiche Kooperation zwischen Ganser, der selbst Gegenstand der Recherche ist, und KenFM als Publikationsort der Recherche besteht. Antwort: Gar nicht. „Zensur“ kann nicht unbefangen sein, denn der Auftraggeber der Dokumentation kooperiert umfangreich mit der Person, die Gegenstand der Recherche ist. Komisch nur, dass Herrn Fiedler diese Befangenheit bei Wikipedianern stört, während sie bei ihm selbst kein Problem darstellt.

Fazit

Die Dokumentation „Zensur“ krankt an allen Ecken und Enden.

Ein zentraler Schritt in der Argumentation, der die Verbindung zwischen Wikipedia, Vertretern der Mainstreammedien und Psiram plausibel machen soll, ist absolut inakzeptabel und nicht nachvollziehbar. Er basiert weniger auf anständiger Recherche, sondern vielmehr auf Willkür der Autoren und der Behauptung, dass Google uns zeigt, welche Webseiten „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ Grundlage der Recherche für journalistische Artikel sind. Harald Walach ist als beteiligte Person zu stark in die Argumentation des Beitrags involviert, sodass der Beitrag als solcher seine objektive Ausrichtung verliert. Harald Walach hätte nicht als Opfer von Psiram und in der Funktion als vermeindlich objektiver Experte herangezogen werden dürfen. Weit gravierender ist allerdings, dass eine umfangreiche Kooperation zwischen Ganser und KenFM und wiederum zwischen KenFM und den Machern des Beitrags „Zensur“ besteht. Von Unbefangenheit kann hier also nicht die Rede sein. Die Macher des Beitrags reagieren nur unzureichend auf Wortmeldungen des Betroffenen Kopilot – ein Kommentar von KenFM und Fiedler zu Kopilots Äußerungen wäre dringend notwendig, um den Sachverhalt beurteilen zu können.

Ich frage mich ja, wie derartige Fehler angesichts des selbstauferlegten Anspruchs von KenFM passieren können. Den Mainstreammedien wird immer schön Befangenheit und Fehlinformation vorgeworfen, aber die eigenen Beiträge machen inakzeptable Schlussfolgerungen und Unmengen an methodischen und konzeptionellen Fehlern.

Ein Trauerspiel.

 

 

 

Anmerkung: Der Kommentar Kopilots war aufzufinden unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia_Diskussion:Kurier#Wikipedia_im_Netz_…; Mittlerweile ist der Kommentar unter dieser Adresse nicht mehr aufzufinden. Hier ein Ausschnitt des Diskussionsverlaufs:

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